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*usr_45.txt* Für Vim Version 7.3. Letzte Änderung: 2008-Nov-15
VIM BENUTZERHANDBUCH - von Bram Moolenaar
Die Sprache wählen
Die Mitteilungen in Vim können in mehreren Sprachen gegeben werden. Dieses
Kapitel erklärt, wie Sie ändern, welche benutzt wird. Auch werden die
verschieden Arten, mit Dateien in diversen Sprachen zu arbeiten, erklärt.
|45.1| Die Sprache für Meldungen
|45.2| Die Sprache für Menüs
|45.3| Eine andere Kodierung benutzen
|45.4| Dateien mit einer anderen Kodierung editieren
|45.5| Sprachtext eingeben
Nächstes Kapitel: |usr_90.txt| Vim installieren
Voriges Kapitel: |usr_44.txt| Eigene Syntax-Hervorhebungen
Inhaltsübersicht: |usr_toc.txt|
==============================================================================
*45.1* Die Sprache für Meldungen
Wenn Sie Vim starten, prüft er die Umgebungsvariablen, um herauszufinden,
welche Sprache Sie benutzen. Meist sollte dies gut funktionieren, und Sie
bekommen die Meldungen in Ihrer Sprache (falls Sie verfügbar sind). Um zu
sehen, welches die aktuelle Sprache ist, benutzen Sie diesen Befehl: >
:language
Falls er mit »C« antwortet, bedeutet dies, dass die Grundeinstellung
benutzt wird, was Englisch ist.
Anmerkung:
Verschiedene Sprachen zu benutzen, funktioniert nur, wenn Vim
kompiliert wurde, dies zu behandeln. Um herauszufinden, ob es
funktioniert, benutzen Sie den Befehl »:version« und prüfen Sie die
Ausgabe für »+gettext« und »+multi_lang«. Falls Sie vorhanden sind,
ist es gut. Falls Sie »-gettext« oder »-multi_lang« sehen, müssen
Sie einen anderen Vim finden.
Was, falls Sie gerne Ihre Meldungen in einer anderen Sprache hätten? Es gibt
mehrere Arten. Welche Sie benutzen sollten, hängt von den Möglichkeiten Ihres
Systems ab.
Die erste Möglichkeit ist, die Umgebungsvariablen auf die gewünschte
Sprache zu setzen, bevor Sie Vim starten. Beispiel für Unix: >
env LANG=de_DE.ISO_8859-1 vim
Dies funktioniert nur, falls die Sprache auf Ihrem System verfügbar ist.
Der Vorteil ist, dass alle GUI-Meldungen und Dinge in Bibliotheken auch die
richtige Sprache benutzen. Ein Nachteil ist, dass Sie dies tun müssen,
bevor Sie Vim starten. Falls Sie die Sprache ändern wollen, während Vim
läuft, können Sie die zweite Methode benutzen: >
:language fr_FR.ISO_8859-1
Auf diese Weise können Sie mehrere Namen für Ihre Sprache ausprobieren. Sie
bekommen eine Fehlermeldung, wenn er auf Ihrem System nicht unterstützt wird.
Sie bekommen keine Fehlermeldung, wenn keine übersetzen Meldungen verfügbar
sind. Vim geht still dazu über, Englisch zu benutzen.
Um herauszufinden, welche Sprachen auf Ihrem System unterstützt werden,
finden Sie das Verzeichnis, wo sie aufgelistet sind. Auf meinem System ist
dies »/usr/share/locale«. Auf manchen Systemen ist es »/usr/lib/locale«. Die
Man-Page für »setlocale« sollte Ihnen einen Hinweis geben, wo es auf Ihrem
System zu finden ist. Groß-/Klein-Schreibung ist entscheidend, und die
Zeichen »-« und »_« werden leicht verwechselt.
Sie können die Sprache auch getrennt für Meldungen, editierten Text und
das Zeitformat setzen. Siehe |:language|.
SELBSTGEMACHTE ÜBERSETZUNG VON MELDUNGEN
Falls für Ihre Sprache keine übersetzten Meldungen verfügbar sind, könnten Sie
sie selbst schreiben. Um dies zu tun, beziehen Sie den Quellkode für Vim und
das Paket GNU gettext. Nach dem Entpacken der Quellen können im Verzeichnis
»src/po/README.txt« Anweisungen gefunden werden.
Es ist nicht zu schwer, die Übersetzung zu machen. Sie brauchen kein
Programmierer zu sein. Natürlich müssen Sie sowohl Englisch als auch die
Sprache, in die Sie übersetzen, kennen.
Wenn Sie mit der Übersetzung zufrieden sind, erwägen Sie, sie für andere
verfügbar zu machen. Laden Sie sie auf http://vim.sf.net hoch, oder senden
Sie sie per Email an den Vim-Maintainer <maintainer@vim.org>. Oder beides.
==============================================================================
*45.2* Die Sprache für Menüs
Die Standard-Menüs sind in Englisch. Um Ihre lokale Sprache nutzen zu können,
müssen Sie übersetzt werden. Normalerweise geschieht dies automatisch für
Sie, falls die Umgebungsvariablen auf Ihre Sprache gesetzt sind, genau wie mit
den Meldungen. Dafür brauchen Sie nichts extra zu tun. Aber es funktioniert
nur, falls für Ihre Sprache verfügbar sind.
Nehmen wir an, Sie sind in Deutschland, die Sprache ist auf Deutsch
gesetzt, aber Sie ziehen es vor, »File« statt »Datei« zu benutzen. So können
Sie auf die englischen Menüs zurückschalten: >
:set langmenu=none
Es ist auch möglich, eine Sprache anzugeben: >
:set langmenu=nl_NL.ISO_8859-1
Wie oben entscheidet der Unterschied zwischen »-« und »_«. Groß-/Klein-
Schreibung allerdings wird hier ignoriert.
Die Option 'langmenu' muss gesetzt werden, bevor die Menüs geladen werden.
Wenn einmal die Menüs definiert sind, hat das Ändern von 'langmenu' keinen
direkten Effekt. Setzen Sie daher den Befehl zum Setzen von 'langmenu' in
Ihre vimrc.
Falls Sie wirklich die Sprache der Menüs ändern woll, während Vim läuft,
können Sie es so: >
:source $VIMRUNTIME/delmenu.vim
:set langmenu=de_DE.ISO_8859-1
:source $VIMRUNTIME/menu.vim
Es gibt ein Manko: Alle selbstdefinierten Menüs verschwinden. Auch diese
müssen Sie neu definieren.
SELBSTGEMACHTE MENÜ-ÜBERSETZUNGEN
Um zu sehen, welche Menü-Übersetzungen verfügbar sind, schauen Sie in
dies Verzeichnis:
$VIMRUNTIME/lang ~
Die Dateien sind menu_{sprache}.vim benannt. Falls Sie die Sprache, die Sie
benutzen wollen, nicht sehen, können Sie Ihre eigenen Übersetzungen machen.
Der einfachste Weg, dies zu tun, ist es, eine der bestehenden Sprachdateien zu
kopieren und sie zu ändern.
Finden Sie zuerst mit dem Befehl »:language« den Namen Ihrer Sprache
heraus. Benutzen Sie diesen Namen, aber mit Kleinschreibung. Dann kopieren
Sie die Datei in Ihr eigenes Runtime-Verzeichnis, wie es vorne in
'runtimepath' zu finden ist. Für Unix könnten Sie zum Beispiel machen:
:!cp $VIMRUNTIME/lang/menu_ko_kr.euckr.vim ~/.vim/lang/menu_nl_be.iso_8859-1.vim
Hinweise für die Übersetzung finden Sie in
»$VIMRUNTIME/lang/README.txt«.
==============================================================================
*45.3* Eine andere Kodierung benutzen
Vim nimmt an, dass die Dateien, die Sie editieren wollen, in der Kodierung
Ihrer Sprache sind. Für viele europäische Sprachen ist dies »latin1«. Dann
ist jedes Byte ein Zeichen. Das bedeutet, es gibt 256 mögliche Zeichen. Für
asiatische Sprachen ist dies nicht ausreichend. Diese benutzen meistens eine
zwei-Byte-Kodierung, welche über zehntausend mögliche Zeichen bietet. Dies
ist immer noch nicht genug, wenn ein Text mehrere unterschiedliche Sprachen
enthält. Hier kommt Unicode ins Spiel. Er wurde entworfen, um alle Zeichen
in den üblicherweise benutzten Sprachen zu enthalten. Dies ist »die
Über-Kodierung, die alle anderen ersetzt«. Aber er wird noch nicht so viel
benutzt.
Glücklicherweise unterstützt Vim diese drei Arten von Kodierungen. Und mit
einigen Einschränkungen können Sie sie sogar benutzen, wenn Ihre Umgebung eine
andere Sprache als der Text benutzt.
Gleichwohl sollte, wenn Sie nur Dateien in der Kodierung Ihrer Sprache
editieren, die Grundeinstellung sollte gut funktionieren und Sie müssen nichts
machen. Das folgende ist nur relevant, wenn Sie verschiedene Sprachen
editieren wollen.
Anmerkung:
Verschiedene Kodierungen benutzen funktioniert nur, wenn Vim so
kompiliert wurde, dass er sie verarbeiten kann. Um herauszufinden, ob
es funktioniert, benutzen Sie den Befehl »:version« und prüfen Sie die
Ausgabe für »+multi_byte«. Falls sie da ist, ist alles in Ordnung.
Falls Sie »-multi_byte« sehen, müssen Sie einen anderen Vim finden.
UNICODE IN DER GUI BENUTZEN
Das nette mit Unicode ist, dass andere Kodierungen in ihn und zurück
umgewandelt werden können, ohne Informationen zu verlieren. Wenn Sie Vim
intern Unicode verwenden lassen, sind Sie in der Lage, Dateien in jeder
Kodierung zu editieren.
Unglücklicherweise ist die Zahl der Unicode-unterstützenden Systeme noch
begrenzt. Also ist es unwahrscheinlich, dass Ihre Sprache ihn benutzt. Sie
müssen Vim sagen, dass Sie Unicode benutzen wollen, und wie er die Interaktion
mit dem Rest des Systems verarbeiten soll.
Lassen Sie uns mit der GUI-Version von Vim beginnen, die in der Lage ist,
Unicode-Zeichen anzuzeigen. Dies sollte funktionieren: >
:set encoding=utf-8
:set guifont=-misc-fixed-medium-r-normal--18-120-100-100-c-90-iso10646-1
Die Option 'encoding' sagt Vim die Kodierung der Zeichen, die Sie benutzen.
Dies trifft zu auf den Text in den Puffern (die Dateien, die Sie editieren,
Register, Vim-Skript-Dateien, usw. Sie können 'encoding' als die Einstellung
für die Interna von Vim betrachten.
Dieses Beispiel nimmt an, dass Sie diesen Zeichensatz auf Ihrem System
haben. Der Name in dem Beispiel ist für das X Window-System. Dieser
Zeichensatz ist in einem Paket, das benutzt wird, um XTerm um Unicode-
Unterstützung zu erweitern. Falls Sie diesen Zeichensatz nicht haben, mögen
Sie ihn hier finden:
http://www.cl.cam.ac.uk/~mgk25/download/ucs-fonts.tar.gz ~
Bei MS-Windows haben einige Zeichensätze eine begrenzte Zahl von
Unicode-Zeichen. Versuchen Sie den Zeichensatz »Courier New« zu
benutzen. Sie können das Menü »Editieren/Select Font...« benutzen, um
die verfügbaren Zeichensätze auszuwählen und auszuprobieren. Allerdings
können nur Zeichensätze mit fester Breite benutzt werden. Beispiel: >
:set guifont=courier_new:h12
Falls es nicht gut funktioniert, versuchen Sie ein Fontpack zu beziehen.
Falls Microsoft es nicht verschoben hat, können Sie es hier finden:
http://www.microsoft.com/typography/fonts/default.aspx ~
Nun haben Sie Vim gesagt, dass er intern Unicode verwenden und Text mit
einem Unicode-Zeichensatz anzeigen soll. Getippte Zeichen erscheinen immer
noch in der Kodierung Ihrer ursprünglichen Sprache. Dies erfordert, sie
nach Unicode zu konvertieren. Sagen Sie Vim die Sprache, von der er
konvertieren soll, mit der Option 'termencoding'. Sie können dies wie
folgt tun: >
:let &termencoding = &encoding
:set encoding=utf-8
Dies weist 'termencoding' den alten Wert von 'encoding' zu, bevor 'encoding'
auf UTF-8 gesetzt wird. Sie müssen herausfinden, ob dies wirklich für Ihr
Setup funktioniert. Es sollte besonders gut funktionieren, wenn Sie eine
Eingabemethode für eine asiatische Sprache verwenden und Sie Text in
Unicode editieren wollen.
UNICODE IN EINEM UNICODE-TERMINAL BENUTZEN
Es gibt Terminals, die Unicode direkt unterstützen. Das Standard-XTerm in
XFree86 ist eines von ihnen. Lassen Sie uns das als ein Beispiel benutzen.
Zuallererst muss das XTerm mit Unicode-Unterstützung kompiliert sein.
Siehe |UTF8-xterm| wie Sie das prüfen, und wie Sie es kompilieren, wenn nötig.
Starten Sie das XTerm mit dem Argument »-u8«. Sie mögen auch einen
Zeichensatz angeben müssen. Beispiel: >
xterm -u8 -fn -misc-fixed-medium-r-normal--18-120-100-100-c-90-iso10646-1
Nun können Sie Vim in diesem Terminal laufen lassen. Setzen Sie 'encoding'
auf »utf-8« wie vorher. Das ist alles.
UNICODE IN EINEM GEWÖHNLICHEN TERMINAL BENUTZEN
Angenommen, Sie wollen mit Dateien in Unicode arbeiten, haben aber kein
Terminal mit Unicode-Unterstützung. Sie können dies mit Vim machen,
allerdings werden Zeichen, die das Terminal nicht unterstützt, nicht
angezeigt. Das Layout des Textes bleibt erhalten. >
:let &termencoding = &encoding
:set encoding=utf-8
Dies ist dasselbe, wie das für die GUI benutzte. Aber es funktioniert
verschieden: Vim konvertiert den angezeigten Text, bevor er an das Terminal
geschickt wird. Das vermeidet, dass die Anzeige von komischen Zeichen
verunstaltet wird.
Damit dies funktioniert, muss die Umwandlung zwischen 'termencoding' und
'encoding' möglich sein. Vim konvertiert intern von latin1 nach Unicode, also
funktioniert dies immer. Für andere Umwandlungen wird das Feature
|+iconv| benötigt.
Versuchen Sie eine Datei zu editieren, die Unicode-Zeichen enthält. Sie
bemerken, dass Vim ein Fragezeichen (oder Unterstrich oder ein anderes
Zeichen) an Stellen setzt, wo ein Zeichen sein sollte, das das Terminal nicht
anzeigen kann. Gehen Sie mit dem Cursor auf solch ein Fragezeichen und geben
Sie diesen Befehl: >
ga
Vim zeigt eine Zeile mit dem Kode des Zeichens an. Dies gibt Ihnen einen
Hinweis, um welches Zeichen es sich handelt. Sie können es in einer
Unicode-Tafel nachschlagen. Sie könnten buchstäblich eine Datei auf diese
Weise betrachten, falls Sie viel Zeit haben.
Anmerkung:
Da 'encoding' für allen Text innerhalb Vim verwendet wird, macht sein
Ändern allen nicht-ASCII-Text ungültig. Sie bemerken dies, wenn Sie
Register und die 'viminfo' benutzen (z.B. ein gemerktes Suchmuster).
Es empfiehlt sich, 'encoding' in der vimrc zu setzen und ansonsten in
Ruhe zu lassen.
==============================================================================
*45.4* Dateien mit einer anderen Kodierung editieren
Angenommen, Sie haben Vim zur Benutzung von Unicode eingerichtet, und
wollen eine Datei editieren, die in 16-bit Unicode ist. Hört sich einfach an,
richtig? Nun, tatsächlich benutzt Vim intern die Kodierung UTF-8, also muss
die 16-Bit-Kodierung konvertiert werden, da es einen Unterschied
zwischen dem Zeichensatz (Unicode) und der Kodierung (UTF-8 oder 16-Bit)
gibt.
Vim versucht zu erkennen, was für eine Datei Sie editieren. Er benutzt die
Kodierungsnamen in der Option 'fileencodings'. Bei der Benutzung von Unicode
ist der Standard-Wert »usc-bom,utf-8,latin1«. Dies bedeutet, dass Vim prüft,
ob die Datei in einer dieser Kodierungen ist:
ucs-bom Datei muss mit einer Markierung der Byte-Reihenfolge
(Byte Order Mark, BOM) beginnen. Dies erlaubt die
Erkennung der Unicode-Kodierungen 16-Bit, 32-Bit und
UTF-8.
utf-8 UTF-8 Unicode. Dies wird zurückgewiesen, wenn eine
Folge von Bytes ungültig in UTF-8 ist.
latin1 Die gute alte 8-Bit Kodierung. Funktioniert immer.
Wenn Sie beginnen, diese Datei in 16-Bit Unicode zu editieren, und sie hat
eine BOM, erkennt dies Vim und konvertiert die Datei beim Lesen nach UTF-8.
Die Option 'fileencoding' (ohne »s« am Ende) wird auf den erkannten Wert
gesetzt. In diesem Falle ist es »utf-16le«. Das bedeutet Unicode, 16 Bit
und niederwertiges Byte zuerst (little-endian). Dieses Dateiformat ist häufig
unter MS-Windows anzutreffen (z.B. Dateien der Registry).
Beim Schreiben der Datei vergleicht Vim 'fileencoding' mit 'encoding'.
Falls sie verschieden sind, wird der Text konvertiert.
Ein leerer Wert für 'fileencoding' bedeutet, dass keine Umwandlung
stattfindet. Also wird angenommen, dass der Text mit 'encoding' kodiert wird.
Falls für Sie der Standard-Wert von 'fileencodings' nicht gut ist, setzen
Sie ihn auf die Kodierungen, die Sie Vim versuchen lassen wollen. Nur wenn
sich ein Wert als ungültig erwiesen hat, wird der nächste benutzt.
»latin1« an erster Stelle zu setzen funktioniert nicht, weil dieser
niemals ungültig ist. Ein Beispiel, um zu Japanisch zurückzugehen, wenn
die Datei keine BOM hat und nicht UTF-8 ist: >
:set fileencodings=ucs-bom,utf-8,sjis
Siehe |encoding-values| für vorgeschlagene Werte. Andere Werte mögen auch
funktionieren. Dies hängt davon ab, ob die Umwandlung verfügbar ist.
EINE KODIERUNG ERZWINGEN
Falls die automatische Erkennung nicht funktioniert, müssen Sie Vim sagen,
in welcher Kodierung die Datei ist. Beispiel: >
:edit ++enc=koi8-r russian.txt
Der Teil »++enc« gibt nur für diese Datei den Namen der zu benutzenden
Kodierung an. Vim konvertiert die Datei von der angegebenen Kodierung, in
diesem Beispiel Russisch, nach 'encoding'. Auch 'fileencoding' wird auf die
angegebene Kodierung gesetzt, so dass beim Schreiben der Datei die umgekehrte
Umwandlung geschehen kann.
Dasselbe Argument kann benutzt werden, wenn die Datei geschrieben wird.
Tatsächlich können Sie auf diese Weise Vim benutzen, um eine Datei
umzuwandeln. Beispiel: >
:write ++enc=utf-8 russian.txt
<
Anmerkung:
Die Umwandlung kann als Ergebnis verlorene Zeichen haben. Die
Umwandlung von einer Kodierung nach Unicode und zurück ist meistens
frei von diesem Problem, solange es keine ungültigen Zeichen gibt.
Die Umwandlung von Unicode in andere Kodierungen verliert oft
Informationen, wenn in der Datei mehr als eine Sprache war.
==============================================================================
*45.5* Sprachtext eingeben
Computer-Tastaturen haben nicht viel mehr als etwa einhundert Tasten. Einige
Sprachen haben Tausende von Zeichen, Unicode hat Zehntausende. Wie also
tippen Sie diese Zeichen?
Zuallererst, wenn Sie nicht zuviel der besonderen Zeichen benutzen, können
Sie Digraphen benutzen. Dies wurde bereits in Abschnitt |24.9| erklärt.
Wenn Sie eine Sprache benutzen, die viel mehr Zeichen als Tasten auf Ihrer
Tastatur benutzt, wollen Sie eine Eingabemethode (Input Method, IM) benutzen.
Dies erfordert das Lernen der Übersetzung von den getippten Tasten zu dem
resultierenden Zeichen. Wenn Sie eine IM benötigen, haben Sie wahrscheinlich
schon eine auf Ihrem System. Sie sollte mit Vim wie mit anderen Programmen
funktionieren. Für Details siehe |mbyte-XIM| für das X-Window-System und
|mbyte-IME| für MS-Windows.
TASTATURBELEGUNGEN (KEYMAPS)
Für einige Sprachen ist der Zeichensatz verschieden vom lateinischen, aber
benutzt eine ähnliche Anzahl von Zeichen. Es ist möglich, Tasten mit Zeichen
zu belegen. Vim benutzt hierfür Tastaturbelegungen.
Angenommen, Sie wollen Hebräisch tippen. Sie können die Tastaturbelegung
wie folgt laden: >
:set keymap=hebrew
Vim versucht, für Sie eine Tastenbelegungsdatei zu finden. Dies hängt von
dem Wert von 'encoding' ab. Falls keine passende Datei gefunden wurde,
bekommen Sie eine Fehlermeldung.
Nun können Sie im Einfügemodus Hebräisch tippen. Im Normalmodus, und
wenn Sie einen »:«-Befehl tippen, schaltet Vim automatisch auf Englisch.
Sie können diesen Befehl benutzen, um zwischen Hebräisch und Englisch
umzuschalten: >
CTRL-^
Dies funktioniert nur im Einfüge- und im Befehlszeilenmodus. Im Normalmodus
tut er etwas völlig verschiedenes (springt zur alternativen Datei).
Die Benutzung der Tastaturbelegung wird in der Modusmeldung mit »Sprache«
angezeigt, falls Sie die Option 'showmode' gesetzt haben. In der GUI zeigt
Vim die Benutzung von Tastaturbelegungen mit einer anderen Cursorfarbe an.
Sie können die Benutzung der Tastaturbelegung auch mit den Optionen
'iminsert' und 'imsearch' ändern.
Um die Liste der Belegungen zu sehen, benutzen Sie diesen Befehl: >
:lmap
Um herauszufinden, welche Tastaturbelegungsdateien verfügbar sind, können
Sie in der GUI das Menü »Editieren/Tastaturbelegung« benutzen. Ansonsten
können Sie diesen Befehl benutzen: >
:echo globpath(&rtp, "keymap/*.vim")
SELBSTGEMACHTE TASTATURBELEGUNGEN
Sie können Ihre eigene Tastaturbelegungsdatei erstellen. Es ist nicht sehr
schwierig. Beginnen Sie mit einer Tastaturbelegungsdatei, die der Sprache,
die Sie benutzen wollen, ähnlich ist. Kopieren Sie sie in das
Unterverzeichnis »keymap« in Ihrem Runtime-Verzeichnis. Unter Unix würden Sie
zum Beispiel das Verzeichnis »~/.vim/keymap« benutzen.
Der Name der Tastaturbelegungsdatei muss wie folgt aussehen:
keymap/{Name}.vim ~
oder
keymap/{Name}_{Kodierung}.vim ~
{Name} ist der Name der Tastaturbelegung. Wählen Sie einen Namen, der
offensichtlich, aber verschieden von bestehenden Tastaturbelegungen (solange
Sie keine bestehende Tastaturbelegungsdatei ersetzen wollen). {Name} kann
keinen Unterstrich enthalten. Fügen Sie optional die benutzte Kodierung
nach einem Unterstrich hinzu. Beispiele:
keymap/hebraeisch.vim ~
keymap/hebraeisch_utf-8.vim ~
Der Inhalt der Datei sollte selbsterklärend sein. Sehen Sie sich ein paar
der Tastaturbelegungen, die mit Vim verteilt werden, an. Für Details,
siehe |mbyte-keymap|
LETZTER AUSWEG
Falls alle anderen Methoden scheitern, können Sie jedes Zeichen mit CTRL-V
eingeben:
Kodierung tippen Sie Bereich ~
8-Bit CTRL-V 123 dezimal 0-255
8-Bit CTRL-V x a1 hexadezimal 00-ff
16-Bit CTRL-V u 013b hexadezimal 0000-ffff
31-Bit CTRL-V U 001303a4 hexadecimal 00000000-7fffffff
Tippen Sie nicht die Leerzeichen. Siehe |i_CTRL-V_digit| für Details.
==============================================================================
Nächstes Kapitel: |usr_90.txt| Vim installieren
Copyright: siehe |manual-copyright| vim:tw=78:ts=8:ft=help:norl:
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