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*usr_40.txt* Für Vim version 7.4. Letzte Änderung: 2013-Aug-05
VIM-BENUTZERHANDBUCH - von Bram Moolenaar
Neue Befehle machen
Vim ist ein erweiterbarer Editor. Sie können eine Folge von Befehlen
nehmen, die Sie oft benutzen, und aus ihnen einen neuen Befehl machen. Oder
einen bestehenden Befehl neu definieren. Automatische Befehle machen es
möglich, Befehle automatisch auszuführen.
|40.1| Tasten belegen
|40.2| Befehlszeilen-Befehle definieren
|40.3| Automatische Befehle
Nächstes Kapitel: |usr_41.txt| Ein Vim-Skript schreiben
Voriges Kapitel: |usr_32.txt| Der Undo-Baum
Inhaltsübersicht: |usr_toc.txt|
==============================================================================
*40.1* Tasten belegen
Eine einfache Belegung wurde in Abschnitt |05.3| erklärt. Das Prinzip ist,
dass eine Folge von Tastendrücken in eine andere Folge von Tastendrücken
übersetzt wird. Dies ist ein einfacher, jedoch mächtiger Mechanismus.
Die einfachste Form ist, dass eine Taste mit einer Folge von Tasten belegt
wird. Weil die Funktionstasten, außer <F1>, keine vordefinierte Bedeutung in
Vim haben, sind diese eine gute Wahl zur Belegung. Beispiel: >
:map <F2> GoDate: <Esc>:read !date<CR>kJ
Dies zeigt, wie drei Modi benutzt werden. Nachdem mit »G« in die letzte Zeile
gegangen wird, öffnet der Befehl »o« eine neue Zeile und geht in den
Einfügemodus. Der Text »Date: « wird eingefügt und <Esc> bringt uns aus dem
Einfügemodus.
Beachten Sie den Gebrauch von Sondertasten in <>. Dies nennt sich Notation
mit spitzen Klammern. Sie tippen diese als getrennte Zeichen, nicht, indem
Sie die Taste selbst drücken. Dadurch wird die Belegung besser lesbar, und
Sie können den Text ohne Probleme kopieren und einfügen.
Das Zeichen »:« bringt Vim in die Befehlszeile. Der Befehl »:read !date«
liest die Ausgabe des Befehls »date« und hängt sie unter der aktuellen Zeile
an. Das <CR> wird benötigt, um den Befehl »:read« auszuführen.
An dieser Stelle der Ausführung sieht der Text so aus:
Date: ~
Fri Jun 15 12:54:34 CEST 2001 ~
Jetzt bewegt »kJ« den Cursor nach oben und fügt die Zeilen zusammen.
Um zu entscheiden, welche Taste oder Tasten Sie zum Belegen verwenden,
siehe |map-which-keys|.
BELEGUNGEN UND MODI
Der Befehl »:map« definiert Neubelegungen für Tasten im normalen Modus.
Sie können auch Belegungen für andere Modi definieren. »:imap« zum
Beispiel ist für den Einfügemodus zuständig. Sie können ihn benutzen,
um ein Datum unter dem Cursor einzufügen: >
:imap <F2> <CR>Date: <Esc>:read !date<CR>kJ
Sie sieht sehr wie die Belegung für <F2> im normalen Modus aus, nur der Beginn
ist verschieden. Die Belegung von <F2> im normalen Modus ist noch da. Also
können Sie dieselbe Taste für jeden Modus unterschiedlich belegen.
Beachten Sie, dass, obwohl diese Belegung im Einfügemodus beginnt, sie im
normalen Modus endet. Falls Sie im Einfügemodus fortfahren wollen, hängen Sie
der Belegung ein »a« an.
Hier ist eine Übersicht der Belegungsbefehle und in welchem Modus sie
arbeiten:
:map normal, visuell und Operator-hängend
:vmap visuell
:nmap normal
:omap Operator-hängend
:map! Einfügen und Befehlszeile
:imap Einfügen
:cmap Befehlszeile
Der Operator-hängende Modus ist, wenn Sie ein Operator-Zeichen, so wie
»d« oder »y«, getippt haben, und Vim auf einen Bewegungsbefehl oder ein
Textobjekt wartet. Wenn Sie also »dw« tippen, wird das »w« im
Operator-hängenden Modus eingegeben.
Angenommen, Sie wollen <F7> so definieren, dass der Befehl »d<F7>« einen
C-Programm-Block löscht (in geschwungene Klammern, {}, eingeschlossener
Text). Analog würde »y<F7>« den Programm-Block in das unbenannte
Register kopieren. Was Sie demnach tun müssen, ist es, <F7> so zu
definieren, dass sie den aktuellen Programm-Block auswählt. Sie können
dies mit dem folgenden Befehl tun: >
:omap <F7> a{
Dies lässt <F7> eine Blockauswahl »a{« im Operator-hängenden Modus
ausführen, genau als hätten Sie es getippt. Diese Belegung ist nützlich,
falls das Tippen von { auf Ihrer Tastatur schwierig ist.
BELEGUNGEN AUFLISTEN
Um die aktuell definierten Belegungen zu sehen, benutzen Sie »:map« ohne
Argumente. Oder eine der Varianten, die den Modus beinhalten, in dem sie
arbeiten. Die Ausgabe könnte so aussehen:
_g :call MyGrep(1)<CR> ~
v <F2> :s/^/> /<CR>:noh<CR>`` ~
n <F2> :.,$s/^/> /<CR>:noh<CR>`` ~
<xHome> <Home>
<xEnd> <End>
Die erste Spalte der Liste gibt an, in welchem Modus die Belegung
funktioniert. Dies ist »n« für den normalen Modus, »i« für den Einfügemodus
usw. Ein Leerzeichen wird für eine mit »:map« definierte Belegung verwandt,
also effektiv im normalen und visuellen Modus.
Ein nützlicher Aspekt, die Belegungen zu listen, ist zu prüfen, ob
Sondertasten in <>-Form erkannt wurden (dies funktioniert nur, wenn Farbe
unterstützt wird). Wenn zum Beispiel <Esc> farbig dargestellt wird, steht es
für die Escape-Taste. Wenn es dieselbe Farbe wie der andere Text hat, sind es
nur fünf Zeichen.
NEUBELEGEN
Das Ergebnis einer Belegung wird nach anderen Belegungen in ihr inspiziert.
Zum Beispiel könnten die Belegungen für <F2> oben folgendermaßen
abgekürzt werden: >
:map <F2> G<F3>
:imap <F2> <Esc><F3>
:map <F3> oDate: <Esc>:read !date<CR>kJ
Für den normalen Modus wird <F2> so belegt, dass in die letzte Zeile
gegangen wird, und dann so getan wird, als ob <F3> gedrückt wurde. Im
Einfügemodus beendet <F2> den Einfügemodus mit <Esc> und benutzt dann
ebenfalls <F3>. Dann wird <F3> so belegt, dass sie die tatsächliche Arbeit
macht.
Angenommen, Sie benutzen kaum den Ex-Modus, und wollen den Befehl »Q« dazu
verwenden, Text zu formatieren (so war es in alten Vim-Versionen). Die
folgende Belegung macht es: >
:map Q gq
Aber in seltenen Fällen brauchen Sie dennoch den Ex-Modus. Lassen Sie uns
»gQ« mit Q belegen, so dass Sie immer noch in den Ex-Modus gehen können:
>
:map gQ Q
Was nun geschieht: Sie tippen »gQ« und es ist mit »Q« belegt. So weit, so
gut. Aber dann ist »Q« mit »gq« belegt, also resultiert das Tippen von »gQ«
in »gq«, und Sie kommen gar nicht in den Ex-Modus.
Um zu vermeiden, dass Tasten wieder belegt werden, benutzen Sie den Befehl
»:noremap«: >
:noremap gQ Q
Nun weiß Vim, dass »Q« nicht nach weiteren Belegungen, die für es
gelten, inspiziert werden soll. Analoge Befehle gibt es für jeden Modus:
:noremap normal, visuell und Operator-hängend
:vnoremap visuell
:nnoremap normal
:onoremap Operator-hängend
:noremap! Einfügen und Befehlszeile
:inoremap Einfügen
:cnoremap Befehlszeile
DIE REKURSIVE BELEGUNG
Wenn eine Belegung sich selbst auslöst, läuft sie für immer. Dies kann
benutzt werden, um eine Aktion eine unbegrenzte Anzahl von Malen zu
wiederholen.
Sie haben zum Beispiel eine Liste von Dateien, die eine Versionsnummer in
der ersten Zeile enthalten. Sie editieren diese mit »vim *.txt«. Sie
editieren nun die erste Datei. Definieren Sie diese Belegung: >
:map ,, :s/5.1/5.2/<CR>:wnext<CR>,,
Nun tippen Sie »,,«. Dies löst die Belegung aus. Sie ersetzt in der ersten
Zeile »5.1« durch »5.2«. Dann macht sie »:wnext« um die Datei zu sichern und
die nächste zu editieren. Die Belegung endet mit »,,«. Die löst dieselbe
Belegung wieder aus, also die Ersetzung machen usw.
Dies geht so weiter bis es einen Fehler gibt. In diesem Falle könnte es
eine Datei sein, wo der Befehl »:substitute« keine Übereinstimmung für »5.1«
findet. Sie können dann »5.1« einfügen und fortfahren, indem Sie »,,« erneut
tippen. Oder »:wnext« scheitert, weil Sie in der letzten Datei der Liste
sind.
Wenn eine Belegung auf halben Wege in einen Fehler läuft, wird der Rest der
Belegung nicht mehr beachtet. CTRL-C unterbricht die Belegung (unter
MS-Windows CTRL-Untbr).
EINE BELEGUNG LÖSCHEN
Um eine Belegung zu entfernen, benutzen Sie den Befehl »:unmap«. Und
wieder entspricht der Modus, für den die Belegung entfernt wird, dem
benutzten Befehl:
:unmap normal, visuell und Operator-hängend
:vunmap visuell
:nunmap normal
:ounmap Operator-hängend
:unmap! Einfügen und Befehlszeile
:iunmap Einfügen
:cunmap Befehlszeile
Es gibt einen Trick, eine Belegung zu definieren, die im normalen und
Operator-hängenden Modus funktioniert, aber nicht im visuellen. Zuerst
definiere man sie für alle drei Modi, dann lösche man sie im visuellen
Modus: >
:map <C-A> /---><CR>
:vunmap <C-A>
Beachten Sie, dass die fünf Zeichen »<C-A>« für die Tastenkombination
CTRL-A stehen.
Um alle Belegungen zu entfernen, benutzen Sie den Befehl |:mapclear|. Sie
können die Variationen für verschiedene Modi nun raten. Seien Sie
vorsichtig mit diesem Befehl, er kann nicht rückgängig gemacht werden.
SONDERZEICHEN
Dem Befehl »:map« kann ein weiterer Befehl folgen. Das Zeichen »|« trennt die
beiden Befehle. Dies bedeutet auch, dass das Zeichen »|« nicht in einem
Belegungsbefehl verwandt werden kann. Um eins einzubeziehen, benutzen Sie
<Bar> (fünf Zeichen). Beispiel:
>
:map <F8> :write <Bar> !checkin %<CR>
Dasselbe Problem trifft auf den Befehl »:unmap« zu, und zusätzlich müssen Sie
auf nachfolgende Leerzeichen achten. Diese zwei Befehle sind verschieden:
>
:unmap a | unmap b
:unmap a| unmap b
Der erste Befehl versucht »a « freizugeben, mit einem nachfolgen
Leerzeichen.
Wenn Sie ein Leerzeichen in einer Belegung verwenden, benutzen Sie <Space>
(sieben Zeichen): >
:map <Space> W
Dies lässt die Leertaste ein Leerzeichen-getrenntes Wort vorwärts bewegen.
Es ist nicht möglich, einen Kommentar direkt nach eine Belegung zu setzen,
weil das Zeichen »"« als Teil der Belegung angenommen wird. Sie können
»|"« verwenden, dies beginnt einen neuen, leeren Befehl mit einem
Kommentar. Beispiel: >
:map <Space> W| " Benutze Leertaste, um ein Wort vorwärts zu gehen
BELEGUNGEN UND ABKÜRZUNGEN
Abkürzungen verhalten sich sehr wie Belegungen für den Einfügemodus. Die
Argumente werden auf dieselbe Art behandelt. Der Hauptunterschied ist die
Art, wie sie ausgelöst werden. Eine Abkürzung wird ausgelöst, indem man ein
nicht-Wort-Zeichen nach dem Wort tippt. Eine Belegung wird ausgelöst, wenn
das letzte Zeichen getippt wird.
Ein weiterer Unterschied ist, dass die Zeichen, die Sie für eine Abkürzung
tippen, in den Text eingefügt werden, während Sie sie tippen. Wenn die
Abkürzung ausgelöst wird, werden diese Zeichen gelöscht und durch das ersetzt,
was die Abkürzung produziert. Beim Tippen der Zeichen für eine Belegung
wird nichts eingefügt, bis Sie das letzte Zeichen tippen, das sie auslöst.
Falls die Option 'showcmd' gesetzt ist, werden die getippten Zeichen in der
letzten Zeile des Vim-Fensters angezeigt.
Eine Ausnahme ist, wenn eine Belegung mehrdeutig ist. Angenommen, Sie
haben zwei Belegungen gemacht: >
:imap aa foo
:imap aaa bar
Wenn Sie nun »aa« tippen, weiß Vim nicht, ob er die erste oder das zweite
Belegung anwenden soll. Er wartet, ob ein weiteres Zeichen getippt wird.
Falls es ein »a« ist, wird die zwete Belegung angewandt und resultiert in
»bar«. Falls es zum Beispiel ein Leerzeichen ist, wird die erste Belegung
angewandt, resultierend in »foo«, und dann wird das Leerzeichen einfügt.
DARÜBERHINAUS...
Das Schlüsselwort <script> kann benutzt werden, um ein Belegung lokal zu
einem Skript zu machen. Siehe |:map-<script>|.
Das Schlüsselwort <buffer> kann verwandt werden, um eine Belegung lokal zu
einem bestimmten Puffer zu machen. Siehe |:map-<buffer>|.
Das Schlüsselwort <unique> kann benutzt werden, um das Definieren einer
Belegung scheitern zu lassen, wenn sie bereits existiert. Ansonsten
überschreibt eine neue Belegung einfach die alte. Siehe |:map-<unique>|.
Um eine Taste nichts machen zu lassen, belegen Sie sie mit <Nop> (fünf
Zeichen). Dies lässt die Taste <F7> überhaupt nichts machen: >
:map <F7> <Nop>| map! <F7> <Nop>
Es darf kein Zeichen nach <Nop> sein.
==============================================================================
*40.2* Befehlszeilen-Befehle definieren
Der Editor Vim ermöglicht Ihnen, Ihre eigenen Befehle zu definieren. Sie
führen diese ganz wie jeden anderen Befehl im Befehlszeilen-Modus aus.
Um einen Befehl zu definieren, benutzen Sie den Befehl »:command«, wie
folgt: >
:command DeleteFirst 1delete
Wenn Sie nun den Befehl »:DeleteFirst« ausführen, führt Vim »:1delete«
aus, was die erste Zeile löscht.
Anmerkung:
Benutzer-definierte Befehle müssen mit einem Großbuchstaben beginnen.
Sie können nicht »:X«, »:Next« und »:Print« verwenden. Der
Unterstrich kann nicht benutzt werden! Sie können Ziffern verwenden,
aber davon wird abgeraten.
Um die benutzer-definierten Befehle aufzulisten, führen Sie den folgenden
Befehl aus: >
:command
Ganz wie mit den eingebauten Befehlen, können die benutzer-definierten
Befehle abgekürzt werden. Sie brauchen nur soviel zu tippen, um den Befehl
von einem anderen zu unterscheiden. Befehlszeilen-Vervollständigung kann
benutzt werden, um den vollen Namen zu erhalten.
ANZAHL VON ARGUMENTEN
Benutzer-definierte Befehle können eine Folge von Argumenten nehmen. Die
Zahl von Argumenten muss mit der Option -nargs angegeben werden. Das
Beispiel :DeleteFirst etwa nimmt keine Argumente, so dass Sie es wie folgt
definieren können: >
:command -nargs=0 DeleteFirst 1delete
Da jedoch null Argumente der Standardfall sind, brauchen Sie nicht
»-nargs=0« hinzufügen. Die anderen Werte von -nargs sind wie folgt:
-nargs=0 Keine Argumente
-nargs=1 Ein Argument
-nargs=* Jede Anzahl von Argumenten
-nargs=? Null oder ein Argument
-nargs=+ Ein oder mehr Argumente
DIE ARGUMENTE BENUTZEN
Innerhalb der Befehls-Definition werden die Argumente durch das
Schlüsselwort <args> repräsentiert. Zum Beispiel: >
:command -nargs=+ Say :echo "<args>"
Wenn Sie nun tippen >
:Say Hello World
gibt Vim »Hello World« aus. Falls Sie jedoch ein doppeltes Zitatzeichen
hinzufügen, funktioniert es nicht. Zum Beispiel: >
:Say he said "hello"
Um Sonderzeichen in eine Zeichenkette verwandelt zu bekommen, richtig
geschützt als ein Ausdruck, benutzen Sie »<q-args>«: >
:command -nargs=+ Say :echo <q-args>
Nun resultiert der obige Befehl »:Say« in diesem zur Ausführung: >
:echo "he said \"hello\""
Das Schlüsselwort <f-args> enthält dieselben Informationen wie das
Schlüsselwort <args>, außer dass sie in einem Format sind, das sich für
einen Funktionsaufruf eignet. Zum Beispiel:
>
:command -nargs=* DoIt :call AFunction(<f-args>)
:DoIt a b c
führt den folgenden Befehl aus: >
:call AFunction("a", "b", "c")
ZEILENBEREICH
Einige Befehlen nehmen einen Bereich als ihr Argument. Um Vim zu sagen,
dass Sie solch einen Befehl definieren, müssen Sie die Option -range
angeben. Die Werte für diese Option sind wie folgt:
-range Bereich ist erlaubt; Standard ist die aktuelle Zeile.
-range=% Bereich ist erlaubt; Standard ist die ganze Datei.
-range={count} Bereich ist erlaubt; die letzte Zeilenzahl in ihm wird
als eine einzelne Nummer genommen, deren Standard
{count} ist.
Wenn ein Bereich angegeben wird, erhalten die Schlüsselwörter <line1> und
<line2> die Werte der ersten und letzten Zeile im Bereich. Der folgende
Befehl definiert zum Beispiel den Befehl SaveIt, der den angegeben Bereich
in die Datei »save_file« schreibt: >
:command -range=% SaveIt :<line1>,<line2>write! save_file
ANDERE OPTIONEN
Einige der anderen Optionen und Schlüsselwörter sind wie folgt:
-count={number} Der Befehl kann eine Anzahl nehmen, deren
Standard {number} ist. Die resultierende
Anzahl kann über das Schlüsselwort <count>
verwandt werden.
-bang Sie können ein ! benutzen. Falls vorhanden,
ergibt das Benutzen von <bang> ein !.
-register Sie können ein Register angeben. (Standard
ist das unbenannte Register.)
Die Registerangabe ist verfügbar als <reg>
(aka. <register>).
-complete={type} Typ der zu verwendenden Befehlszeilen-
Vervollständigung. Siehe |:command-completion|
für die Liste möglicher Werte.
-bar Dem Befehl kann | und ein anderer Befehl
folgen, oder " und ein Kommentar
-buffer Der Befehl ist nur für den aktuellen Puffer
verfügbar.
Schließlich haben Sie das Schlüsselwort <lt>. Es steht für das Zeichen
<. Benutzen Sie dies, um die besondere Bedeutung der erwähnten <>-Elemente
aufzuheben.
NEUDEFINIEREN UND LÖSCHEN
Um denselben Befehl neu zu definieren, benutzen Sie das Argument »!«: >
:command -nargs=+ Say :echo "<args>"
:command! -nargs=+ Say :echo <q-args>
Um einen Benutzer-Befehl zu löschen, benutzen Sie »:delcommand«. Er
nimmt ein einzelnes Argument, das der Name des Befehls ist. Beispiel: >
:delcommand SaveIt
Um alle Benutzer-Befehle zu löschen: >
:comclear
Vorsicht, dies kann nicht zurück genommen werden!
Mehr Details über all dies im Referenz-Handbuch: |user-commands|.
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*40.3* Automatische Befehle
Ein automatischer Befehl wird automatisch als Antwort auf irgendein Ereignis
ausgeführt, sei es, dass eine Datei gelesen wird, oder ein Puffer-Wechsel.
Durch die Benutzung von automatischen Befehlen können Sie Vim zum Beispiel
beibringen, komprimierte Dateien zu editieren. Dies wird in dem |gzip|-Plugin
benutzt.
Automatische Befehle sind sehr mächtig. Nutzen Sie sie sorgsam, und sie
werden Ihnen sehr helfen. Nutzen Sie sie sorglos, werden Sie Ihnen viel Ärger
bereiten.
Angenommen, Sie haben einen Zeitstempel am Ende einer Datei, und wollen ihn
jedesmal, wenn die Datei geschrieben wird, ersetzen. Zuerst definieren Sie
eine Funktion: >
:function DateInsert()
: $delete
: read !date
:endfunction
Sie wollen dass diese Funktion jedesmal aufrufen wird, genau dann bevor eine
Datei geschrieben wird. So geht es: >
:autocmd BufWritePre * call DateInsert()
»BufWritePre« ist das Ereignis, für das dieser automatische Befehl ausgelöst
wird: Genau vor (prä) dem Sichern einer Datei. Der »*« ist ein Muster zur
Übereinstimmung mit dem Dateinamen. In diesem Falle greift es bei allen
Dateien.
Wenn dieser Befehl aktiv ist, und Sie »:write« geben, prüft Vim nach
jedweden automatischen Befehlen für BufWritePre und führt sie aus, und führt
dann das »:write« aus.
Die generelle Form des Befehls :autocmd ist wie folgt: >
:autocmd [group] {events} {file_pattern} [nested] {command}
Der Gruppenname ist optional. Er wird zum Verwalten und Aufrufen der Befehle
verwandt (mehr dazu später). Der Parameter {events} ist eine (komma-
getrennte) Liste von Ereignissen, die den Befehl auslösen.
{file_pattern} ist ein Dateiname, für gewöhnlich mit Wildcards. Das
Benutzen von »*.txt« lässt den automatischen Befehl für alle Dateien, deren
Name in ».txt« endet, wirken. Das optionale Flag [nested] erlaubt die
Verschachtelung von automatischen Befehlen, und schließlich ist {command} der
auszuführende Befehl.
EREIGNISSE
Eines der nützlichsten Ereignisse ist BufReadPost. Es wird ausgelöst,
nachdem eine neue Datei editiert wird. Es wird für gewöhnlich zum Setzen
von Optionen verwandt. Sie wissen zum Beispiel, dass »*.gsm«-Dateien
GNU-Assembler-Sprache sind. Um die Syntax richtig zu bekommen, definieren
Sie diesen automatischen Befehl: >
:autocmd BufReadPost *.gsm set filetype=asm
Falls Vim den Typ der Datei erkennen kann, setzt er die Option 'filetype'
für Sie. Dies löst das Ereignis Filetype aus. Benutzen Sie dies, um
etwas zu tun, wenn ein bestimmter Typ Dateien editiert wird. Zum Beispiel
das Laden einer List von Abkürzungen für Text-Dateien: >
:autocmd Filetype text source ~/.vim/abbrevs.vim
Beim Beginnen, eine neue Datei zu editieren, könnten Sie Vim ein Skelett
einfügen lassen: >
:autocmd BufNewFile *.[ch] 0read ~/skeletons/skel.c
Siehe |autocmd-events| für eine komplette Liste von Ereignissen.
MUSTER
Das Argument {file_pattern} kann tatsächlich eine komma-getrennte Liste von
Datei-Mustern sein. »*.c,*.h« zum Beispiel trifft Dateien, die auf ».c« oder
».h« enden.
Die gewöhnlichen Datei-Wildcards können benutzt werden. Hier ist eine
Zusammenfassung der am häufigsten benutzten:
* Trifft jedes Zeichen jede Anzahl von Malen
? Trifft jegliches Zeichen einmal
[abc] Trifft die Zeichen a, b oder c
. Trifft einen Punkt
a{b,c} Triff »ab« und »ac«
Wenn das Muster einen Schrägstrich (/) beinhalten, vergleicht Vim
Verzeichnisnamen. Ohne Schrägstrich wird nur der letzte Teil eines
Dateinamens benutzt. Zum Beispiel trifft »*.txt« »/home/biep/readme.txt«.
Das Muster »/home/biep/*« würde es auch treffen. Aber nicht »/home/foo/*.txt«
Wenn ein Schrägstrich einbezogen wird, vergleicht Vim das Muster sowohl
gegen den vollen Datei-Pfad (»/home/biep/readme.txt« als auch den relativen
(z.B. »biep/readme.txt«).
Anmerkung:
Wenn Sie mit einem System arbeiten, das einen Rückwärtsschrägstrich
als Verzeichnistrenner benutzt, so wie MS-Windows, benutzen Sie immer
noch Vorwärtsschrägstriche. Dies macht es einfacher, das Muster zu
schreiben, weil ein Rückwärtsschrägstrich eine besondere Bedeutung
hat. Es macht den automatischen Befehl außerdem portabel.
LÖSCHEN
Um einen automatischen Befehl zu löschen, benutzen Sie denselben Befehl,
mit dem es definiert wurde, aber lassen {command} am Ende aus und benutzen
ein »!«. Beispiel: >
:autocmd! FileWritePre *
Dies löscht alle automatischen Befehle für das Ereignis »FileWritePre«,
die das Muster »*« benutzen.
AUFLISTEN
Um alle aktuell definierten automatischen Befehle aufzulisten, benutzen Sie
dies: >
:autocmd
Die Liste kann sehr lang sein, besonders wenn Dateityp-Erkennung benutzt
wird. Um nur einen Teil der Befehle aufzulisten, geben Sie die Gruppe, das
Ereignis und/oder das Muster an. Um zum Beispiel alle automatischen Befehle
für BufNewFile aufzulisten: >
:autocmd BufNewFile
Um alle automatischen Befehle für das Muster »*.c« aufzulisten: >
:autocmd * *.c
Das verwenden von »*« für das Ereignis listet alle Ereignisse auf. Um
alle automatischen Befehle für die Gruppe cprograms aufzulisten: >
:autocmd cprograms
GRUPPEN
Das Element {group}, benutzt beim Definieren eines automatischen Befehls,
gruppiert verwandte automatische Befehle zusammen. Dies kann zum Beispiel
benutzt werden, um alle automatischen Befehle in einer gewissen Gruppe zu
löschen.
Wenn Sie mehrere automatische Befehle für eine gewisse Gruppe definieren,
benutzen Sie den Befehl »:augroup«. Lassen Sie uns zum Beispiel automatische
Befehle für C-Programme definieren: >
:augroup cprograms
: autocmd BufReadPost *.c,*.h :set sw=4 sts=4
: autocmd BufReadPost *.cpp :set sw=3 sts=3
:augroup END
Dies tut dasselbe wie: >
:autocmd cprograms BufReadPost *.c,*.h :set sw=4 sts=4
:autocmd cprograms BufReadPost *.cpp :set sw=3 sts=3
Um alle automatischen Befehle der Gruppe »cprograms« zu löschen: >
:autocmd! cprograms
VERSCHACHTELUNG
Generell lösen Befehle, die als das Ergebnis eines automatischen Befehls
ausgeführt werden, keine neuen Ereignisse aus. Falls Sie zum Beispiel eine
Datei als Antwort auf ein Ereignis FileChangedShell lesen, werden die
automatischen Befehle, die die Syntax setzen, nicht ausgelöst. Um zu
erreichen, dass die Ereignisse ausgelöst werden, fügen Sie das Argument
»nested« hinzu: >
:autocmd FileChangedShell * nested edit
AUTOMATISCHE BEFEHLE AUSFÜHREN
Es ist möglich, einen automatischen Befehl auszulösen, indem man vorgibt,
dass sich ein Ereignis ereignet hat. Dies ist nützlich, um einen
automatischen Befehl einen anderen auslösen zu lassen. Beispiel: >
:autocmd BufReadPost *.new execute "doautocmd BufReadPost " . expand("<afile>:r")
Dies definiert einen automatischen Befehl, der ausgelöst wird, wenn eine
neue Datei editiert wird. Der Dateiname muss auf ».new« enden. Der
Befehl »:execute« benutzt Ausdrucks-Auswertung, um einen neuen Befehl zu
formen und auszuführen. Wenn die Datei »tryout.c.new« editiert wird, ist
der ausgeführte Befehl: >
:doautocmd BufReadPost tryout.c
Die Funktion expand() nimmt das Argument »<afile>«, was für den
Dateinamen steht, für den der automatische Befehl ausgeführt wurde, und
nimmt die Wurzel des Dateinamens mit »:r«.
»:doautocmd« führt auf dem aktuellen Puffer aus. Der Befehl
»:doautoall« funktioniert wie »doautocmd«, außer dass er auf allen
Puffern ausführt.
BEFEHLE DES NORMALEN MODUS BENUTZEN
Die Befehle, die von einem automatischen Befehl ausgeführt werden, sind
Befehlszeilen-Befehle. Falls Sie einen Befehl des normalen Modus verwenden
wollen, kann der Befehl »:normal« benutzt werden. Beispiel: >
:autocmd BufReadPost *.log normal G
Dies lässt den Cursor in die letzte Zeile von *.log-Dateien springen, wenn Sie
beginnen, eine zu editieren.
Den Befehl »:normal« zu verwenden ist ein wenig verzwickt. Zuerst stellen
Sie sicher, dass sein Argument ein vollständiger Befehl ist, eingeschlossen
aller Argumente. Wenn Sie »i« benutzen, um in den Einfüge-Modus zu gehen,
muss es auch auch ein <Esc> geben, um den Einfüge-Modus zu verlassen. Falls
Sie »/« verwenden, um ein Suchmuster zu beginnen, muss es ein <CR> geben, um
es auszuführen.
Der Befehl »:normal« benutzt allen Text nach ihm als Befehle. Also kann es
kein | geben, dem ein weiterer Befehl folgt. Um dies zu umgehen, packen Sie
den Befehl »:normal« in einen »:execute«-Befehl. Dies macht es auch möglich,
undruckbare Zeichen auf eine angenehme Weise zu übergeben. Beispiel: >
:autocmd BufReadPost *.chg execute "normal ONew entry:\<Esc>" |
\ 1read !date
Dies zeigt auch den Gebrauch des Rückwärtsschrägstrichs, um einen langen
Befehl auf mehrere Zeilen zu verteilen. Dies kann in Vim-Skripten verwandt
werden (nicht auf der Befehlszeile).
Wenn Sie wollen, dass der automatische Befehl etwas Kompliziertes macht, was
es beinhaltet, in der Datei herumzuspringen und dann an die ursprüngliche
Position zurückzukehren, mögen Sie die Ansicht der Datei wiederherstellen
wollen. Siehe |restore-position| für ein Beispiel.
EREIGNISSE IGNORIEREN
Bisweilen wollen Sie nicht, dass ein automatischer Befehl ausgelöst wird.
Die Option 'eventignore' enthält eine List von Ereignissen, die komplett
ignoriert werden. Das folgende zum Beispiel lässt Ereignisse für das
Betreten und Verlassen eines Fensters ignorieren: >
:set eventignore=WinEnter,WinLeave
Um alle Ereignisse zu ignorieren, benutzen Sie den folgenden Befehl: >
:set eventignore=all
Um es zum normalen Verhalten zurück zu setzen, machen Sie 'eventignore'
leer: >
:set eventignore=
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Nächstes Kapitel: |usr_41.txt| Ein Vim-Skript schreiben
Copyright: siehe |manual-copyright| vim:tw=78:ts=8:ft=help:norl:
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